Dynamische Ansätze, stärkere Diversifizierung, kürzere Prüfzyklen

Internationale Konzerne in Deutschland managen ihre Pensionsvermögen mit einem verstärkten Risikobewusstsein. Das zeigt die aktuelle Towers-Watson-Studie "Pension-Risk-Management und Anlage von Pensionsvermögen". Einschätzungen von Nigel Cresswell, Head of Investment Consulting, bei Towers Watson Deutschland.

Herr Cresswell, wie hat sich das Risikomanagement der Konzerne geändert?

Die Studienergebnisse spiegeln zwei zentrale Entwicklungstrends wider: Zum einen schauen die Unternehmen noch genauer auf bilanzielle Risiken und damit auch verstärkt auf die pensionsorientierten Verpflichtungen und deren Veränderung. Asset-Liability-Studien, die helfen, die Struktur von Anlage- und Verpflichtungsseite aufeinander abzustimmen, gehören daher heute zum Standardvorgehen. Um schneller und flexibler auf kurzfristige Marktentwicklungen reagieren zu können, setzen zwei Drittel der institutionellen Investoren auf dynamische Ansätze im Asset-Liability-Management oder planen, dies in Zukunft zu tun.

Zum anderen wird die Vermögensanlage noch breiter diversifiziert. Neben den klassischen Anlageklassen wie Aktien bzw. Renten legen die Unternehmen immer mehr in alternative Assetklassen sowie Immobilien an. Zunehmend wird auch in Staatsanleihen aus den sich entwickelnden Ländern (Emerging Markets) investiert. Vielfach gelten Staatsanleihen aus diesen Ländern auf Grund ihres Rendite-Risikoprofils als äußerst attraktiv - anders als Staatsanleihen der Peripherieländer, wo ein möglicher Ausfall befürchtet wird. Aktuell sehen wir daher, dass viele institutionelle Investoren ihr Staatsanleihenportfolio grundlegend in Frage stellen. Die traditionelle Kategorisierung von Anleihen in Staatsanleihen entwickelter Industrieländer und Schwellenländer scheint nicht mehr hinreichend. Ein möglicher Weg, um das Portfolio neu auszurichten, stellt eine Neustrukturierung anhand der Kreditrisiken dar. Hier werden die Anlagen anhand der Risikokategorisierung eingeteilt, zum Beispiel von Anleihen mit geringstem Risiko bis hin zu Anleihen, die zur Absicherung von Extremrisiken eignen.

Diese Trends sind eine logische Fortentwicklung dessen, was auch schon in der Vorgängerstudie 2010 festgestellt wurde. Jedoch dürfte auch das Wiederaufflammen der Finanzmarkkrise zur weiteren Verstärkung des Risikobewusstseins beigetragen haben.

Bereits 2010 stand das Risikomanagement bei den Investoren hoch im Kurs. Haben sich hier Neuerungen gezeigt?

Das Risikobewusstsein der befragten Unternehmen hat noch weiter zugenommen. Viele Unternehmen haben inzwischen ein transparenteres und effizienteres Risikomanagementsystem umgesetzt. Dabei werden Risiken sowohl auf der Anlage- als auch auf der Verpflichtungsseite in deutlich kürzeren Zeitabständen evaluiert. Neigten Investoren früher dazu, vor allem ihre Asset-only-Risiken zu kontrollieren, werden nun Asset-Liability-Risiken i. d. R. simultan betrachtet. Viele Investoren gehen sogar einen Schritt weiter und steuern sowohl ihre Anlage als auch ihre Verpflichtungen mittels dynamischer Ansätze. Ferner setzen die Unternehmen als Ergänzung zu ihren traditionellen, modellgestützten Risikoanalysen verstärkt modellunabhängige Stresstests  und Szenarioanalysen ein.

Was raten Sie Investoren in dem aktuell schwierigen Marktumfeld?

Wir erwarten, dass die bestehenden Ungleichgewichte auf den Finanzmärkten nur langsam abgebaut werden können. In einem durch anhaltend hohe Unsicherheit geprägten Kapitalmarktumfeld sollte die Anlagestrategie in kürzeren Zyklen überprüft werden. Dynamische Ansätze im Asset-Liability-Management, ein kontinuierlicher Ausbau des Risikomanagements und eine noch stärkere Diversifikation der Kapitalanlage können den Unternehmen dabei helfen, die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten zu meistern.