In vielen Unternehmen auch im Mittelstand finden sich aus früheren Zeiten noch Unterstützungskassen – nicht wie in jüngster Zeit vornehmlich versicherungsfinanziert, sondern mit anderweitiger Vermögensanlage. Sind diese noch zeitgemäß? Worauf müssen Unternehmen achten? Benefits! kompakt fragt Thomas Weppler, Experte für Steuern und Rechnungslegung bei Willis Towers Watson.

Herr Weppler, was zeichnet den Klassiker der Durchführungswege für die bAV aus?

Die einfache (pauschaldotierte) Unterstützungskasse ist ein „schlanker Durchführungsweg“, da sie in der Verwaltung ihres Vermögens grundsätzlich frei ist. Anders als Pensionskassen oder Pensionsfonds unterliegt sie weder strengen aufsichtsrechtlichen Regelungen noch bestehen Berichtspflichten an eine Aufsichtsbehörde. Daraus resultiert bei der Kapitalanlage größtmögliche Flexibilität. Die Unterstützungskasse kann ihre Mittel nahezu beliebig in Investmentpapieren, Aktien aber auch in Immobilien investieren. Dies ermöglicht ihr Renditechancen in der aktuellen Niedrigzinsphase besser zu nutzen. Die Flexibilität wird zusätzlich dadurch erhöht, dass alle Zuwendungen des Arbeitgebers freiwillig erfolgen.

Übrigens können neben lebenslänglich laufenden Altersversorgungsleistungen und Kapitalzahlungen auch einmalige Unterstützungen und Beihilfen (z. B. bei Unfall oder Todesfall) oder als Gesundheitsfürsorgeleistungen (Präventionsmaßnahmen, Erholungshilfen, Zahnersatz o. ä.) gewährt werden.

Wo sehen Sie seine Grenzen?

Die Zuwendungen des Trägerunternehmens an die Unterstützungskasse sind personenbezogen während der Anwartschaftszeit nur in Höhe der doppelten erreichbaren Jahresrente als Betriebsausgabe abziehbar. Damit liegt gemessen am handelsrechtlichen Verpflichtungsumfang eine Unterdeckung der Unterstützungskasse vor. Zwar kann bei Renteneintritt für den Versorgungsempfänger das Deckungskapital nach § 4d Einkommensteuergesetz (EStG) zugewendet werden, doch liegt dieses mit Blick auf Lebenserwartung und Rechnungszins ebenfalls unter dem handelsrechtlichen Verpflichtungsumfang. Diese Unterdeckung ist als mittelbare Verpflichtung entweder zu passivieren oder im Anhang des Jahresabschlusses auszuweisen.

In vielen mittelständischen Unternehmen wurden vor Jahrzehnten Unterstützungskassen eingerichtet, die heute noch existieren, auch wenn aktive Berechtigte nicht mehr aufgenommen werden. Besteht hier Handlungsbedarf?

Bei geschlossenen Versorgungswerken ist der Finanzierungsstatus der Unterstützungskasse zu beachten, da sukzessive die Dotierungsmöglichkeiten zur Begleichung der Rentenzahlungen ebenso zurückgehen wie die Zinserträge. Die Unterstützungskasse „trocknet aus“. Eine laufende Überwachung durch einen Fachberater ist zu empfehlen.

Vielfach wird das „Vermögen“ der Unterstützungskasse dem Unternehmen wieder als Darlehen zur Verfügung gestellt. Können Sie diesen Weg empfehlen?

Die Vermögensanlage im eigenen Trägerunternehmen ist ein in der Praxis häufig gewählter Weg. Bei anhaltender Niedrigzinsphase am Kapitalmarkt ist die Anlage des Kassenvermögens im eigenen Unternehmen eine Option, die in Betracht gezogen werden sollte. Die Unterstützungskasse kann in Grenzen als „eigene Hausbank“ genutzt werden. Da keine physische Vermögensübertragung erfolgen muss und die Zinserträge von der Unterstützungskasse i. d. R. steuerfrei vereinnahmt werden können, ergeben sich weitere Vorteile.

Worauf müssen Unterstützungskassen bzw. ihre Trägerunternehmen bei dieser Form der Anlage achten?

Um die Körperschaftsteuerbefreiung der Unterstützungskasse nicht zu gefährden ist generell sicherzustellen, dass das Vermögen nur satzungsgemäß verwendet wird. Bei Darlehnsgewährung an das Trägerunternehmen muss ferner gewährleistet sein, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Betriebs in ausreichendem Maße für die Sicherheit der Mittel bürgt. Auch beim Darlehnszins ist Vorsicht geboten: ist er zu niedrig, könnte dies von der Finanzverwaltung als Zweckentfremdung von Kassenvermögen interpretiert werden. Wäre der Zins zu hoch, könnte hierin eine verdeckte (nicht abzugsfähige) Dotierung der Unterstützungskasse gesehen werden. Eine regelmäßige Überprüfung der Darlehnskonditionen mit Blick auf die Kapitalmarktverhältnisse ist deshalb zu empfehlen.

Unternehmen haben sich seit Gründung ihrer Unterstützungskasse häufig verändert. Über die Unterstützungskasse werden oft Mitarbeiter verschiedener Unternehmen der Unternehmensgruppe versorgt. Was ist dabei zu beachten?

Von entscheidender Bedeutung ist die sorgfältige Administration der Unterstützungskasse. Die Finanzverwaltung fordert eine nach Trägerunternehmen buchhalterisch getrennte Erfassung der Zuwendungen, der Darlehensstände und des übrigen Kassenvermögens. Diese sog. „Segmentierung“ setzt nicht zuletzt eine moderne IT-Infrastruktur voraus. Ist in der Vergangenheit keine entsprechende Aufteilung vorgenommen worden, kann die richtige Ermittlung der als Betriebsausgabe abzugsfähigen Zuwendungen nach § 4d EStG schwerfallen. Exakte Berechnungen der Zuwendungen durch den versicherungsmathematischen Sachverständigen sollten frühzeitig vorbereitet werden.

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz soll der Verbreitungsgrad der bAV gesteigert werden – auf kapitalgedecktem Wege über Direktversicherung, Pensionsfonds und Pensionskasse. Sehen Sie dennoch noch eine Zukunft für die Unterstützungskasse als „Dinosaurier der bAV“?

Ja. Die Unterstützungskasse hat als Durchführungsweg der bAV in Deutschland eine lange Tradition und stellt für die Praxis unverändert eine interessante Finanzierungsvariante dar. Aufgrund der Nähe zum Trägerunternehmen können Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter über sie unmittelbar und ohne Mitwirkung der Tarifvertragsparteien eine steuereffiziente betriebliche Altersversorgung (bAV) über Entgeltumwandlung organisieren. Arbeitgeberzuschüsse in Höhe der eingesparten Sozialversicherungsbeiträge sind nicht obligatorisch, aber als zusätzlicher Anreiz zur Entgeltumwandlung auch über die Unterstützungskasse möglich.

Für eine verlässliche Vorsorgeplanung ist es aus Arbeitnehmersicht unverändert wichtig, dass der Arbeitgeber für die zugesagte Versorgung einsteht. Hier können Unternehmen mit einer Unterstützungskassen (wie auch mit anderen traditionellen bAV-Möglichkeiten) Akzente setzen – denn bei den durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz neu eingeführten reinen Beitragszusagen über Direktversicherung, Pensionsfonds und Pensionskasse ist dies nicht mehr der Fall. Auch eine Absicherung der Pensionen über die gesetzliche Insolvenzsicherung wird über reine Beitragszusagen nicht gewährleistet.