Der Einsatz von Finanzierungsinstrumenten wie Multinational Pooling oder Benefits Captives sorgt für Transparenz über weltweite Risikokosten für versicherbare Benefits, generiert substanzielle Einsparmöglichkeiten und erleichtert die wirksame Gegensteuerung gegen starke allgemeine Kostensteigerungen in diesem Bereich, wie eine aktuelle Studie von Willis Towers Watson zeigt.

Für große internationale Konzerne stellen die jährlichen Kosten aus den Verpflichtungen für die Kranken-, Todes- und Invaliditätsabsicherung der Mitarbeiter einen erheblichen Kostentreiber dar. HR-Manager stehen daher vor der Aufgabe, diese langfristigen Verpflichtungen so zu managen, dass deren Finanzierung die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nicht gefährdet. Schon heute sind die jährlichen weltweiten Kosten hierfür erheblich. Sie können bei internationalen Konzernen mit 20.000 Mitarbeitern leicht 20 Millionen US-Dollar übersteigen. Für Gesellschaften mit 50.000 Mitarbeitern, die z. B. in Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder den USA mit großen Landesorganisationen vertreten sind, liegen die entsprechenden Kosten sogar oft über 100 Millionen US-Dollar pro Jahr. Die Kosten für die Krankenversorgung steigen im Durchschnitt um rund neun Prozent jährlich, je nach Land oder Region zum Teil noch deutlich höher, wie der Willis Towers Watson Global Medical Trend Report 2016 zeigt.

Um Transparenz über die tatsächlichen weltweiten Kosten für versicherbare Benefits für Mitarbeiter zu erlangen, diese Kosten effizient und aktiv zu managen sowie Kostensteigerungen wirksam begegnen zu können, werden zunehmend Multinationales Pooling sowie Captives als Risikofinanzierungsinstrumente eingesetzt. Einzelheiten hierzu hat Willis Towers Watson im Rahmen des „Multinational Pooling and Benefit Captives Survey“ 2016/2017 untersucht. Für die Studie wurden mehr als 1.500 Ergebnisberichte von über 200 weltweit operierenden Konzernen in Hinblick auf Multinational Pooling und Captives Arrangements ausgewertet. Die gestiegene Anzahl der Studienteilnehmer (an der Vorgängerstudie 2015 nahmen „nur“ 163 Unternehmen teil) lässt auf die Relevanz und die Praxisnähe des Themas schließen. Die analysierten Verpflichtungen (Kosten der Prämien für die Unternehmen) betragen rund sechs Milliarden US-Dollar in über 118 Ländern. Sie basieren auf Unfall-, Kranken- und Risikoversicherungen (Tod, Invalidität, Hinterbliebenenversorgung), welche die Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter abgeschlossen haben.

Die Studie zeigt, dass das Kosteneinsparpotenzial durch den Einsatz von Multinational Pooling bei über 15 Prozent und von Captives bei über 25 Prozent liegt (hier sind jedoch zusätzliche Verwaltungskosten zu berücksichtigen). Darüber hinaus untersucht die Studie Fragen wie:

  • Wie effektiv sind unterschiedliche Strategien und lohnt sich der damit verbundene Aufwand?
  • Wie unterscheiden sich die durch Multinational Pooling oder Benefits Captives erzielten Ergebnisse?
  • Welche Länder und welche versicherbaren Benefits / Sparten lassen sich am besten /schlechtesten poolen bzw. über eine Captive absichern?
  • Multinational Pooling: Wie wirken sich unterschiedliche Versicherungsmechanismen (Loss Carry Forward – Schadenvortrag, Stop Loss oder Small Groups) auf die erzielten Ergebnisse aus?
  • Wie stellen die erfolgreicheren Unternehmen sicher, dass sie effektive Methoden anwenden?

Individuelle Finanzierungsstrategie

Die Studie zeigt, dass nur auf die individuellen Bedürfnisse einer Gesellschaft abgestimmte Strategien langfristig zum Erfolg führen. Hierbei sind insbesondere folgende Kriterien wie Unternehmensstruktur (zentral/dezentral) und -kultur, HR-Strategie, Risikotoleranz, Geografische Gegebenheiten (Welche Länder spielen im Unternehmen eine wichtige Rolle) sowie sonstige besondere Unternehmensumstände (individuelle Schadenerfahrung, Informationsstatus über weltweite Employee Benefits ...) zu berücksichtigen. Eine Captive ist jedoch nicht für jedes Unternehmen sinnvoll. Aus der Praxiserfahrung von Willis Towers Watson (aus der Implementierung von 15 Employee Benefit Captives allein in den letzten zwei Jahren) zeigt sich dabei beispielsweise, dass vorab genau zu prüfen ist, welches Land und welche Sparte in die Captive aufgenommen werden soll.

Hinweis für die Praxis

Eine sorgsam definierte, gut kommunizierte und regelmäßig überwachte Finanzierungsstrategie gehört laut der Studie zu einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Finanzierung von versicherbaren Sozialleistungen. Hierbei sind effiziente Prozesse in der Administration der jeweiligen Strategie, welche die Unternehmensgegebenheiten berücksichtigen, notwendig. So ist zum Beispiel zu prüfen, ob der lokale Service durch einen Broker, Third Party Administrator oder durch einen Versicherer durchgeführt werden soll und wie die lokalen Serviceerwartungen sind. Für die Entwicklung, Implementierung und das Monitoring der Finanzierungsstrategie ist es sinnvoll, externe Benchmarks und professionelle Begleitung hinzuzuziehen.

Die Studie

Der „Multinational Pooling and Benefit Captives Survey“ untersucht den Status quo der Finanzierung versicherbarer Sozialleistungen weltweit. Die Studie wird von Willis Towers Watson regelmäßig durchgeführt, um HR-, Risiko- und Versicherungs-Managern Hilfestellung für Fragen rund um die intelligente Ausgestaltung von Multinational Pooling oder Captive Arrangements zu geben. Teilnehmer erhalten u. a. einen Benchmark hinsichtlich der finanziellen Performance ihrer Pooling-Netzwerke bzw. Captives im Vergleich zu anderen Unternehmen sowie in Bezug auf Land und Sparte (Lebensversicherung, Krankenversicherung, sonstige). Die Studie 2016/17 – eine der umfassendsten auf dem Markt – erfasst 203 weltweit operierende Konzerne mit rund 6 Milliarden Dollar Verpflichtungsumfang.