Wie sich DAX- und MDAX-Unternehmen in der Finanzierung und Anlage ihrer Pensionsvermögen aufstellen, hat Willis Towers Watson in der Studie „DAX- und MDAX-Pensionswerke 2016“ erhoben. Zahlen aus der Mittelstandsstudie von Willis Towers Watson runden den Überblick zur bAV-Finanzierung in Deutschland ab.

Die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen sind 2016 um 9,7 Prozent auf 397 Mrd. Euro gestiegen (2015: 362 Mrd. Euro). Die Pensionsvermögen wuchsen dank guter Erträge und substanzieller Dotierungen im gleichen Zeitraum um 6,1 Prozent auf 250 Mrd. Euro (2015: 236 Mrd. Euro), so die Studie „DAX- und MDAX-Pensionswerke 2016“ von Willis Towers Watson.

DAX-Pensionswerke: durchschnittlich zu zwei Drittel ausfinanziert

Obwohl das Marktumfeld in den vergangenen zehn Jahren durchaus wechselhaft war, lag der Ausfinanzierungsgrad, also das Verhältnis von Pensionsverpflichtungen und spezifisch reservierten Pensionsvermögen, immer relativ konstant bei etwa 60 bis 65 Prozent. An dieser langfristig konstanten Aufteilung lässt sich ablesen, dass die Unternehmen ihre bAV-Finanzierungsentscheidungen fundiert getroffen haben und konsequent fortführen. Auf der Anlageseite konnten die DAX-Unternehmen mit ihrer Kapitalallokation eine gute Rendite verbuchen. Darüber hinaus stärkten die Unternehmen ihre Pensionswerke mit Dotierungen in Höhe von 10,6 Mrd. Euro.

Im Jahresverlauf 2016 sank der Rechnungszins, der für die Bewertung der Pensionsverpflichtungen zugrunde gelegt wird, um 70 Basispunkte auf 1,8 Prozent. In der Folge stieg der Wert der in den Geschäftsberichten für die Pensionsverpflichtungen anzugeben ist, um 9,7 Prozent auf 397 Mrd. Euro. Da die spezifisch für die Pensionszahlungen reservierten Vermögenswerte nicht in gleichem Maße wuchsen, sank der Ausfinanzierungsgrad – das Verhältnis von Pensionsverpflichtungen und Pensionsvermögen – leicht auf 63 Prozent (2015: 65 Prozent).

Ausfinanzierungsgrade von DAX und MDAX im Zeitverlauf
Ausfinanzierungsgrade DAX und MDAX

MDAX-Pensionswerke: zu rund fünfzig Prozent ausfinanziert

Die Pensionsverpflichtungen und Pensionsvermögen der einzelnen MDAX-Unternehmen verzeichnen im Durchschnitt sehr ähnliche Entwicklungen. Jedoch erhöhten Wechsel in der MDAX-Zusammensetzung die absoluten Jahreswerte außergewöhnlich stark. Aufgrund dessen stiegen die MDAX-Pensionsverpflichtungen von 57 Mrd. Euro auf 83 Mrd. Euro und das spezifische Planvermögen von 28 auf 44 Mrd. Euro an. Der Ausfinanzierungsgrad kletterte sogar von 49 Prozent im Vorjahr auf knapp 54 Prozent. Damit bleibt der Ausfinanzierungsgrad im MDAX traditionell geringer als im DAX. Der MDAX bewegt sich im Zeitverlauf konsequent um die 50-Prozent-Marke, nähert sich aber in diesem Jahr deutlich an den DAX-Ausfinanzierungsgrad an (siehe Abb. 1).

Risikoabschätzung – Sensitivitäten

Um die Risiken der Bilanzeinflüsse durch Schwankungen der Pensionsverpflichtungen einzuschätzen, führen sowohl DAX- als auch MDAX-Unternehmen ausführliche Sensitivitätsanalysen durch. Betrachtet werden dabei vor allem die Einflüsse von Rechnungszins, Gehaltstrend, Rententrend und Sterblichkeitsveränderung. Eine Änderung des Rechnungszinses um 100 Basispunkte führt durchschnittlich zu einer Änderung von 17 Prozent des Anwartschaftsbarwerts. Diesem Risiko begegnen die Unternehmen durch strategische Anlage des Planvermögens und regelmäßige Überprüfung der Anlagestruktur.

Mittelstand setzt stärker auf unternehmensinterne Finanzierung

Der Mittelstand in Deutschland ist bislang Pensionsverpflichtungen in Höhe von etwa 25 Mrd. Euro eingegangen, denen – im Vergleich zu DAX-Unternehmen – weniger spezifisch reserviertes Pensionsvermögen gegenüber steht. Hier ist die unternehmensinterne Finanzierung deutlich stärker verbreitet. Angesichts des Niedrigzinsumfelds erwägen mehr als drei Viertel der Unternehmen im Mittelstand eine Neuausrichtung ihres innenfinanzierten Versorgungswerks, wie die Mittelstandsstudie von Willis Towers Watson, zeigt. Hier sind für die kommenden Jahre also viele Veränderungen zu erwarten.

Höhere Ausfinanzierungsgrade in Großbritannien und den USA

Im internationalen Vergleich setzen deutsche Unternehmen im Schnitt stärker auf die unternehmensinterne Finanzierung ihrer Pensionsverpflichtungen. In Großbritannien oder den USA hingegen besteht beispielsweise eine Pflicht zur Ausfinanzierung. Daher liegt der Ausfinanzierungsgrad dort traditionell höher. Bei den Fortune-1000-Unternehmen sind es aktuell 80 Prozent.

Fazit

Die externe Ausfinanzierung der bAV ist eine unternehmensindividuelle, im ganzheitlichen unternehmerischen und finanzwirtschaftlichen Kontext zu beurteilende Entscheidung, in der neben der angestrebten Kapitalstruktur, der Dividendenpolitik, Cashflow-Erwartungen, Investitions- und Finanzierungsmöglichkeiten auch Aspekte des Risikomanagements zu berücksichtigen sind.

Ein geringer oder gesunkener Ausfinanzierungsgrad der Verpflichtungen bedeutet nicht, dass ein Unternehmen Probleme hätte, seine Betriebsrenten zu bezahlen. Spezifisches Planvermögen bewirkt eine Bilanzverkürzung und kann die Sensitivität der Rückstellungsentwicklung gegenüber marktbedingten Parametereinflüssen der Verpflichtungsbewertung verringern, während die Finanzierung durch nicht speziell reserviertes Vermögen bspw. Eine flexible Handhabung und Verwendung des Rückdeckungsvermögens gewährleistet ist. Die Bandbreite der Ausfinanzierungsgrade der einzelnen DAX- und MDAX-Unternehmen reicht von der vollständigen Innenfinanzierung bis hin zur annähernd vollen Ausfinanzierung.

Die Studien

Die Studie „DAX- und MDAX-Pensionswerke 2016“ basiert auf den Geschäftsberichten der Unternehmen, einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiterer öffentlich zugänglicher Daten. Die der Auswertung zugrunde liegende Willis-Towers-Watson-Datenbank ermöglicht auch Vergleiche für die zurückliegenden Jahre.

Für die Mittelstandsstudie wurden 2015 rund 150 mittelständische Unternehmen zahlreicher Branchen befragt. Die Studie zeigt, welche Verpflichtungen aus bestehenden Pensionswerken der befragten Unternehmen hervorgehen, welche Finanzierungsmodelle im Mittelstand eingesetzt werden und welche Risiken im Niedrigzinsumfeld entstehen. Aktuell wird die Mittelstandsstudie neu aufgelegt; die Studienergebnisse werden im Herbst vorliegen.