Im Wahljahr 2017 rückt auch die Gesundheitspolitik wieder auf die Agenda von Politik, Medien und öffentlicher Diskussion. Wie will der Gesetzgeber das duale Gesundheitssystem in Deutschland konstruktiv verändern? Und was muss die PKV tun, um für Kunden wieder attraktiv zu werden und ihr Neugeschäft anzukurbeln? Ein „Weiter so“ ist keine Option.

Zusammen oder getrennt? Die beiden Zukunftsszenarien

Aufhebung des dualen Systems: Schon lange hält sich die Überzeugung bei einigen Beteiligten, dass man durch eine einheitliche Krankenversicherung zu gleichen Bedingungen für alle – die so genannte „Bürgerversicherung“ – eine faire Grundversorgung gewährleisten könnte, die jeder durch private Zusatzversicherungen individuell aufstocken kann. Die Idee, die es schon seit über 15 Jahren gibt, ist auch 2017 nicht tot und wird erneut zum Wahlkampfthema werden.

Mehr Wettbewerb intern wie extern: Das andere Szenario zielt auf intensiveren Wettbewerb ab – sowohl zwischen GKV und PKV als auch innerhalb der privaten Krankenversicherungslandschaft. Der ständige Wettbewerb zwischen GKV und PKV ist dabei der entscheidende Punkt gegen die Bürgerversicherung. Für beide Säulen gilt: Mehr Wettbewerb macht attraktiv für Neukunden sowie für den eigenen Bestand.

Private Krankenversicherer müssen mehr tun: Die drei wichtigsten Punkte

Das Problem steigender Beiträge und insbesondere die Frage, in wie weit die Versicherten sich im Alter noch den gleichen Leistungsumfang leisten können, ist auch innerhalb der PKV nicht wegzudiskutieren. Die PKV muss sich der Forderung nach langfristig finanzierbaren Beiträgen stellen und dafür Lösungsansätze entwickeln. Die drei Schlüssel heißen: Transparenz, Digitalisierung, Kundenvertrauen.

  1. Mehr Transparenz ist Pflicht!

Dies betrifft vor allem die sensiblen Bereiche Beitragsanpassung, Tarifwechsel und Leistungsumfang:

Beitragsanpassung: Auf Basis der aktuellen Rechtslage können Beiträge erst angepasst werden, wenn die tatsächlichen Leistungsausgaben die kalkulierten dauerhaft um einen festen Prozentsatz übersteigen. Sind die Anpassungen dann hoch, führt dies zum entsprechenden Aufschrei in der Öffentlichkeit. Die PKV muss daher aktiv und transparent darstellen, wie sich Beiträge in der Vergangenheit entwickelt haben und es in Zukunft tun werden. Diese Fähigkeit – Entwicklungen solide vorausplanen und dem Kunden bei Beitragssteigerungen Tarif-Alternativen bieten zu können – wird ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal unter PKV-Anbietern werden.

Tarifspektrum:  Schaut man auf das Tarifspektrum der meisten Versicherer, so erscheint echte Transparenz allein aufgrund der Vielfalt unmöglich. Ein sinnvoller Ansatz ist hier der Fokus auf die wesentlichen Tarife eines Versicherers: sowohl in punkto Transparenz als auch für Tarifwechsel-Optionen. Bei den Wechselmöglichkeiten hat sich in den letzten Jahren schon einiges getan; es reicht jedoch nicht aus, dem Kunden alle Optionen nur zur Verfügung zu stellen – er sollte auch verstehen können, welche Tarife es gibt und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen.

Leistung herausstellen: Nicht zuletzt muss die PKV auch die Qualität ihrer Leistungen in den Fokus einer transparenten Kommunikation stellen. Für den Versicherten im Tarifdschungel muss leichter erkennbar sein, welche Leistungen, manchmal auch welchen Luxus er genießt. Für die aktuellen Tariflinien ist dies durch Einteilung in Basis, Komfort und Luxus auch gut möglich. Zukünftig gewinnt aber auch die Einschätzung der Tarif-Weiterentwicklung – und deren offene Kommunikation – an Bedeutung.

  1. Digitalisierung: mehr als Gesundheits-Apps

Wie viele andere Bereiche wird die Digitalisierung auch das deutsche Gesundheitssystem grundlegend verändern. Prozesse werden automatisiert, Kommunikationswege und -infrastrukturen vereinfacht. Unternehmen arbeiten dadurch transparenter, effizienter und erhalten einen besseren Zugang zum Kunden – den es zu nutzen gilt!

Dabei ist Digitalisierung weit mehr als das elektronische Einreichen von Rechnungen. Vielmehr geht es um die Nutzung von Big Data oder Telematik in der PKV-Tarifierung. Einen großen Fortschritt stellt zum Beispiel die Steuerung eines Behandlungsverlaufs mittels digitalisierter Prozesse dar. Aber auch in der Früherkennung von Krankheiten, bei denen man durch Kombination aus Digitalisierung und medizinischem Fortschritt große Erfolge erzielen kann, liegt ein zusätzlicher Service für die Versicherten.

Der Nutzen der Digitalisierung liegt in echter Gesundheitsprävention sowie Unterstützung im Leistungsfall, er geht klar über eine geringfügige Prämienreduktion, etwa durch eine Fitness-App, hinaus.

  1. Kundenvertrauen stärken

Voraussetzung für die digitale Transformation ist jedoch das Vertrauen des Kunden: Schließlich soll er seinem Versicherer umfangreiche Dateneinsicht gewähren und digitale Neuerungen für sich als Vorteil begreifen – und nicht nur als Kostensenkungspotenzial für den Versicherer. Heute kämpft die PKV noch gegen ein allgemeines Misstrauen und ungeklärte Datenschutzregelungen. Morgen schon werden die Möglichkeiten der digitalen Welt zur absolut notwendigen Voraussetzung, die ein Krankenversicherer zu bieten hat.

Fazit:  Geschäftsmodell strategisch ausrichten und Digitalisierung nutzen

Wer sich im Wettbewerb strategisch und klar positionieren will, setzt auf bestimmte Zielgruppen und Tarife und richtet daran sein Geschäftsmodell und seine Kommunikation konsequent aus. Dies verlangt jedoch eine Transparenzoffensive der PKV: Sie sollte bestehende und potentielle Kunden über die Stabilität von Beiträgen und auch die Notwendigkeit von Anpassungen eindeutig informieren. Entwicklungspotenzial liegt darüber hinaus in der Digitalisierung: Zusätzliche Service- und Kontaktpunkte zum Versicherten gehören ebenso dazu wie die Nutzung der digitalen Transformation für den Vertrieb.