Autorin

Towers Watson Media

Monika Wieneke

Senior Consultant

Willis Towers Watson

Firmeneigene Versicherungsunternehmen, sogenannte Captives, gewinnen auch beim Thema Mitarbeiter-Benefits immer mehr an Bedeutung – auch in Deutschland. Aktuelle Studien zeigen: Gut organisierte Captives ermöglichen ein Einsparpotential von bis zu 25 Prozent bei den Kosten für Versicherungsleistungen an Arbeitnehmer in Großunternehmen oder Konzernen. Dennoch sind sie nicht für jedes Unternehmen das am besten geeignete Finanzierungsinstrument. Es ist daher unerlässlich, vorab genau zu prüfen, welches Land und welche Sparte in eine Captive aufgenommen werden können.

Was ist eine Captive?

Eine Captive Insurance Company ist ein Erst- oder Rückversicherer, der meist zu Großunternehmen oder Konzernen aus der Industrie-, Handels- oder Finanzbranche gehört und dort firmeninterne Risiken absichert. Dies können Sach- und Haftpflichtschäden, aber auch in Bezug auf den Arbeitnehmer versicherte Risiken sein: die sogenannten Mitarbeiter-Benefits wie Absicherung von Todesfällen, Berufsunfähigkeits- und auch Krankenversicherungen. Oft werden aber auch Risiken in eine Captive transferiert, die die Konzerne bisher vollständig alleine getragen haben, beispielsweise um Diversifikationseffekte zu nutzen oder Bilanzierungsvorteile zu heben. 

Der Nutzen von Captives für Konzerne

Großunternehmen und Konzerne entscheiden sich aus verschiedenen Gründen für Captives – auch als Ergänzung zu externen Versicherungsverträgen. Die konzerneigenen Versicherungsunternehmen realisieren zunächst ein hohes monetäres Einsparpotenzial. Somit ist der Hauptgrund für die Wahl einer Captive-Lösung finanzieller Natur: Er resultiert einerseits aus schwankenden Geschäftsergebnissen, die durch im Unternehmen verbliebene Risiken entstehen, andererseits aus dem Wunsch nach einer Reduktion der Risikoaufschläge und versicherungstechnischen Gewinne, die bei einem normalen Versicherer anfallen würden.

Darüber hinaus können Captives 

  • Die bekannten Cash-Flow-Vorteile generieren, beispielsweise durch Anlagerendite auf Risikoreserven im Long-Tail-Geschäft,
  • Vom Zyklus des Erstversicherungsmarktes unabhängig machen,
  • Die Kontrolle über das Schadenmanagement sowie die Preis- und individuellen Vertragsgestaltung verbessern
  • Und dieses nicht nur im Claims Management sondern auch im Bereich der Personalleistungen, also der Mitarbeiter-Benefits, erreichen.

Steigende Mitarbeiter-Benefits erzeugen Kostendruck

Die jährlichen Kosten für versicherbare Mitarbeiter-Benefits können für ein Unternehmen mit 20.000 Mitarbeitern weltweit leicht über 25 Millionen US-Dollar betragen; hier kann der Einsatz von Captives für Mitarbeiterleistungen für viele Unternehmen zu erheblichen Kosteneinsparungen führen. Die Anzahl an Captives, die Mitarbeiter-Benefits absichern, hat sich daher weltweit in den letzten fünf Jahren verdoppelt und in den kommenden drei Jahren ist eine erneute Dopplung nicht unwahrscheinlich. Auch für Captives in Deutschland wird das Thema Mitarbeiter-Benefits immer interessanter und die ersten Unternehmen haben bereits mit Umsetzungsprogrammen begonnen. Gerade bei den lebensversicherungsbezogenen Leistungen gehört auch Deutschland zu den fünf profitabelsten Ländern für den Einsatz von Captives.

Aber auch die Rückdeckung von krankenversicherungsbezogenen Mitarbeiter-Benefits kann – insbesondere für die in Deutschland ansässigen multinationalen Konzerne – zu Kosteneinsparungen führen und Transparenz schaffen.

Neben finanziellen Vorteilen bieten Captives auch interessante nicht-finanzielle Vorteile, darunter:

  • Eine stärkere Kontrolle über die Gestaltung von Benefit-Design und Versicherungsbedingungen
  • Die Flexibilität, unentgeltliche Zahlungen zu leisten, die ein kommerzieller Versicherer ablehnen würde
  • Den Zugriff auf bessere Finanz- und Schadensfalldaten zur Unterstützung des Designs und der Durchführung von nachfrageseitigen Initiativen

Risiken und Probleme mit Captives

Wann werden Captives problematisch? Möglich ist es, dass Unternehmen ihre Risiken falsch einschätzen und etwa im Falle von Großschäden der Eigenanteil das Geschäftsergebnis negativ beeinflusst. Auch stehen viele Unternehmen den steigenden Kosten, insbesondere nach der Einführung von Solvency II, kritisch gegenüber.

Wer sich mit der Gründung einer Captive beschäftigt, muss die regulatorischen Anforderungen seitens der jeweiligen Aufsichtsbehörde besonders berücksichtigen: In einigen Ländern behandeln die Finanzaufsichten, unter anderem auch die BaFin in Deutschland, Captives in vielen Aspekten wie alle anderen Versicherungen, so beispielsweise im Falle von Solvency II. Da der einzige „Kunde“ einer Captive oft das zugehörige Unternehmen selbst ist, scheint dies unter Proportionalität-Aspekten nicht unbedingt immer angemessen. Durch ihre Größe sind einige Captives durch die Anforderungen der drei Säulen aus Solvency II administrativ und damit auch finanziell stark gefordert. Der Wunsch nach einer möglichst breit gefassten Auslegung des Proportionalitätsgrundsatzes kristallisiert sich auch in Deutschland immer stärker heraus, denn: Marktteilnehmer halten das Risiko, das für den gesamten Versicherungsmarkt von Captives ausgeht, für sehr überschaubar, da die Risiken intern im Unternehmen entstehen und somit auch gut überblickt werden können. Derart strikte Regulierungsvorgaben führen letztlich nur dazu, dass Konzerne ihre Captives ins Ausland verlegen und den (problematischen) Hauptstandort bei Neugründungen erst gar nicht in Betracht ziehen. 

Fazit: Captives bieten mehr Vor- als Nachteile

Es ist für große Unternehmen und Konzerne oftmals wirtschaftlich nicht sinnvoll, alle Risiken über den Versicherungsmarkt abzusichern. Eine Captive hingegen kann zu einer verstärkten Risikofähigkeit eines Konzerns führen, da sie konzernweite Risiken prüft, ausgleicht und somit das Unternehmen auch vor Volatilitäten auf dem generellen Versicherungsmarkt schützt. Aus Sicht der Captives und der zugehörigen Unternehmen wäre es folglich wünschenswert, dass Aufsichtsbehörden dem Proportionalitätsprinzip unter Solvency II mehr Beachtung schenken.