FRANKFURT AM MAIN, 18. Februar 2013 Arbeitnehmer in Deutschland sind mit dem Leistungsumfang und der Behandlungsqualität der gesetzlichen Krankenkassen nicht zufrieden. Jeder zweite Arbeitnehmer (50,7 Prozent) ist davon überzeugt, dass eine Kranken-Zusatzversicherung in Zukunft unverzichtbar wird. Entsprechend sind fast alle Befragten (94 Prozent) bereit, selbst finanziell aktiv zu werden. Besonders gefragt sind Zahnersatzpolicen, aber auch Vorsorgeprodukte und Pflegeergänzungsversicherungen. Unternehmen, die solche Zusatzversicherungen fördern und bezuschussen, können sich im War for Talents positionieren: Mehr als die Hälfte der Befragten (53,0 Prozent) finden die Option einer arbeitgeberfinanzierten Kranken-Zusatzversicherung sehr interessant.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Kranken-Zusatzversicherung – Bedarf an Gesundheitsleistungen“ von Towers Watson. Das Beratungsunternehmen befragte rund 1.000 Arbeitnehmer im Alter von 20 bis 55 Jahren, die gesetzlich pflichtig oder freiwillig krankenversichert sind, zu ihrer Haltung gegenüber einer betrieblich geförderten Kranken-Zusatzversicherung.

Bereitschaft für Kranken-Zusatzversicherung steigt

„Das momentane System der gesetzlichen Krankenversicherung ist nur unzureichend auf die demografischen Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. Das nehmen vermehrt auch die Versicherten wahr“, fasst Sybille Siefer, Leiterin des Beratungsbereichs Benefits-Brokerage bei Towers Watson Deutschland, die Studienergebnisse zusammen.

Jeder zweite Arbeitnehmer (50,7 Prozent) ist davon überzeugt, dass eine Kranken-Zusatzversicherung in Zukunft unverzichtbar wird. Insbesondere mit Leistungen und Behandlungsqualität scheinen die Versicherten unzufrieden zu sein. Mehr als zwei Drittel der Befragten (67,1 Prozent) halten Kranken-Zusatzversicherungen für ein probates Mittel, um Lücken im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) in Eigeninitiative zu schließen. Zudem sprechen aus Sicht der Befragten eine bessere Versorgung bei Zahnersatz bzw. Zahnprophylaxe (56,2 Prozent) sowie eine bessere medizinische Versorgung (53,2 Prozent) für einen Abschluss von Kranken-Zusatzversicherungen.

Entsprechend groß ist die Bereitschaft, selbst aktiv zu werden: Fast alle Studienteilnehmer (94 Prozent) sind bereit, finanziell in diese zusätzliche Versorgung im Krankheitsfall zu investieren. Fast die Hälfte (45,6 Prozent) würde fünf bis 15 Euro monatlich, ein Drittel (33,6 Prozent) 15 bis 40 Euro monatlich für eine Kranken-Zusatzversicherung ausgeben.

Pflegeergänzungsversicherung mit größtem Potenzial

Die gefragteste Zusatzversicherung ist die Zahnersatzpolice. Jeder zweite Befragte (50,1 Prozent) besitzt bereits einen entsprechenden Versicherungsvertrag. Von den Befragten, die noch keine Zahnersatzversicherung abgeschlossen haben, planen fast drei Viertel (72,2 Prozent) den Abschluss innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Auch die Bereitschaft, für regelmäßige Vorsorgeleistungen wie zum Beispiel Schutzimpfungen, Gesundheitschecks und Hautkrebsuntersuchungen privat zuzuzahlen, ist stark angestiegen: Mehr als zwei Drittel (68,9 Prozent) der Befragten planen den Abschluss einer entsprechenden Zusatzversicherung innerhalb der nächsten zwei Jahre. Derzeit verfügt nur etwa jeder achte Befragte (12,3 Prozent) über eine entsprechende Police.

„Das Gesundheitsbewusstsein in Deutschland steigt immer weiter“, kommentiert Miguel Perez, Experte für betriebliche Krankenversicherungen bei Towers Watson Deutschland, die Ergebnisse. „Doch die Angebote der gesetzlichen Krankenversicherungen werden offenbar als lückenhaft wahrgenommen, sodass die Befragten die Notwendigkeit sehen, selbst aktiv zu werden.“

Auch die Absicherung des Pflegerisikos hat für die Befragten eine hohe Priorität. Mehr als die Hälfte (54,9 Prozent) plant in den nächsten zwei Jahren eine entsprechende Police abzuschließen. Derzeit besitzt jedoch noch nicht einmal jeder Zehnte (8,7 Prozent) der Befragten eine Pflegeergänzungsversicherung.
„In diesem Bereich erwarten wir die deutlichste Entwicklung“, kommentiert Studienautor Miguel Perez. „Die gesetzlich Krankenversicherten erkennen das Pflegerisiko, sichern es aber nur selten ab. Die Zahlen zeigen jedoch eine große Nachfrage, die sich in den nächsten Jahren noch steigern wird.“

Arbeitgeber profitieren doppelt von Bezuschussung

Das Interesse an einer Bezuschussung von Gesundheitsleistungen durch den Arbeitgeber ist sehr groß. Mehr als die Hälfte der Befragten (53,0 Prozent) finden die Option einer arbeitgeberfinanzierten Kranken-Zusatzversicherung sehr interessant. Damit rangiert diese Form der betrieblichen Nebenleistung direkt hinter der betrieblichen Altersversorgung (68,2 Prozent Interessierte) und noch vor dem Arbeitszeitkonto (45,7 Prozent).

„Die Studie untermauert die Ergebnisse der Towers-Watson-Studie zur Arbeitnehmerperspektive auf Altersversorgung und die bAV: Heutige Mitarbeiter denken langfristig und machen sich um Vorsorgethemen wie Finanzierung des Ruhestands und Gesundheitsvorsorge Gedanken“, fasst Towers-Watson-Expertin Siefer zusammen. „Gesundheitsförderung wird für Mitarbeiter ein immer wichtigerer Faktor in ihrem Leben und auch bei der Wahl ihres Arbeitgebers. Daher wird der Bedarf an Kranken-Zusatzversicherungen in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Bislang haben jedoch noch wenige Unternehmen den Trend erkannt, obwohl sie mit passenden Angeboten im War for Talents punkten könnten. Wer das betriebliche Gesundheitsmanagement durch das Angebot von Zusatzversicherungen ergänzt, positioniert sich als Vorreiter und ermöglicht durch die aktive Förderung des Wohlergehens der Mitarbeiter Krankheitsvermeidung und die Reduktion von Ausfalltagen.“

Hintergrundinformationen zur Studie

Für die Studie „Kranken-Zusatzversicherung – Bedarf an Gesundheitsleistungen“ befragte Towers Watson rund 1.000 Arbeitnehmer im Alter von 20 bis 55 Jahren, die gesetzlich pflichtig oder freiwillig krankenversichert sind, zu ihrer Haltung gegenüber einer betrieblich geförderten Kranken-Zusatzversicherung.