ZÜRICH, 12. November 2015 – Die Pensionskassen reagieren zunehmend auf sinkende Anlagerenditen und steigende Lebenserwartung – mit Folgen für die Altersleistungen. Blieben diese in den letzten Jahren unverändert, sind sie im Durchschnitt nun erstmals gesunken. Dies offenbart die aktuelle Studie von Towers Watson zu den Vorsorgeplänen der im SLI zusammengefassten Unternehmen. Sie zeigt auch, dass sich die Situation je nach Pensionskasse und Firma sehr unterschiedlich darstellt.

Mit dem Ziel, die Vorsorgepläne und die daraus resultierenden Leistungen zu vergleichen, führt Towers Watson regelmässig die SLI Benchmarking Studie durch. Sie analysiert die Hauptmerkmale der schweizerischen Vorsorgepläne der im Swiss Leader Index (SLI) zusammengefassten Unternehmen und vergleicht die effektive Höhe der Leistungen. 2015 haben 27 der 30 im Index zusammengefassten Unternehmen teilgenommen.

Umwandlungssatz und Zinssätze sinken

Die im Vergleich zu den vorhergehenden SLI Benchmarking Studien tieferen Umwandlungssätze und gesenkten technischen Zinssätze zeigen, dass die Pensionskassen der SLI -Unternehmen auf die sinkenden Anlagerenditen und die steigende Lebenserwartung der letzten Jahre reagieren. 2015 betrug der durchschnittliche Umwandlungssatz aller untersuchten Unternehmen 6.05% bei Pensionierung im Alter 65. Dies entspricht einer deutlichen Senkung, lag der Satz bei der letzten Studie 2013 mit 6.32% noch deutlich höher. Immer mehr Unternehmen nehmen in Kauf, dass der Umwandlungssatz von 6.80% für das obligatorische Altersguthaben und der Satz für das Überobligatorium weit voneinander abweichen. So liegt der reglementarisch vorgesehene, finale Umwandlungssatz bei 95% der Gesellschaften zum Teil markant unter 6.80%.

Auch bei den technischen Zinssätzen, mit denen als Diskontsatz die zukünftig zu erwartenden Rentenzahlungen in der Jahresrechnung bewertet werden, ist von einer Senkung auszugehen. Sie variieren zurzeit zwischen 2.00% und 3.75%; der Durchschnittswert liegt knapp unter 3.00%. Der seit dem 30. September 2015 gültige technische Referenzzinssatz hingegen wurde mit 2.75% festgelegt, so dass bei fast 60% der Kassen von Anpassungen auszugehen ist. Die Senkung des Referenzzinssatzes könnte eine Reduktion des Deckungsgrads bewirken, sofern nicht die erwirtschafteten Renditen auf dem Vermögen Gegensteuer geben.

Erstmals sinken die Renten

Zeigten sich die Altersleistungen bei den Untersuchungen zwischen 2011 und 2013 trotz sinkender Umwandlungsätze relativ stabil, setzt sich dieser Trend nicht fort. 2015 haben sich die durchschnittlichen Leistungen erstmals verschlechtert und liegen auf einem um rund 3 Prozent tieferen Niveau. „Wir gehen davon aus, dass ein Umdenken stattfindet. Tiefere Leistungen aufgrund einer Senkung der Umwandlungssätze werden in Kauf genommen und nicht mehr zwangsläufig mittels höherer Beiträge kompensiert“, kommentiert Peter Zanella, Head of Retirement Solutions bei Towers Watson, diese Entwicklung.

Erfreulicherweise konnten viele Pensionskassen im letzten Jahr aufgrund der allgemein guten Renditen und der verbesserten finanziellen Lage eine über dem BVG-Minimum liegende Verzinsung gewähren. Während 2014 der BVG-Mindestzins 1.75% betrug, erhielten die aktiven Versicherten im gleichen Jahr im Durchschnitt 2.66% auf ihrem Altersguthaben gutgeschrieben. Die Spannweite der Werte zwischen 1.25% und 5.50% zeigt jedoch, wie unterschiedlich die einzelnen Vorsorgelösungen in der Praxis aufgestellt sind.

Bei der Wahl des Arbeitgebers sollten auch die Vorsorgeleistungen beachtet werden, denn wie die Studie zeigt, sind bei den untersuchten Unternehmen grosse Unterschiede auszumachen. Die Rentenleistung eines heute 25-jährigen Arbeitnehmers würde bei der Firma mit dem besten Vorsorgeplan rund 2.2 Mal höher ausfallen als das vorgeschriebene BVG Minimum, beim Unternehmen mit dem schlechtesten Vorsorgeplan bekommt er nur etwa 1.3 Mal mehr. Die Diskrepanz wird mit steigendem Alter, Einkommen und eingebrachter Freizügigkeitsleistung bei Eintritt in die Pensionskasse umso grösser.

Der Trend zur Flexibilisierung der Vorsorgepläne hält an. Von der Möglichkeit, die Pläne so zu gestalten, dass die versicherte Person zwischen maximal drei unterschiedlichen Arbeitnehmerbeitragssätzen wählen kann, machen zunehmend mehr Unternehmen Gebrauch. So stieg im Vergleich zur letzten Studie der Anteil um 4% auf 60% der an der Analyse teilnehmenden Unternehmen. „Diese Flexibilität kann den Plan für die Versicherten attraktiver machen, weil sie ihre Beiträge an ihre persönliche Lebenssituation anpassen und entsprechend mehr oder weniger Altersleistungen erwerben können“, erklärt Nathalie Munaretto, Studien-Co-Autorin und Consultant bei Towers Watson.

Leistungsabhängige Lohnbestandteile mehrheitlich versichert

Bei der Berechnung des versicherten Gehaltes gehen Unternehmen unterschiedlich vor. Während bei einigen nur das Grundgehalt einbezogen wird, berücksichtigen andere auch die leistungsabhängigen Vergütungen. Bei den in der Studie erfassten SLI-Unternehmen hat sich die grosse Mehrheit für die zweite Variante entschieden: mehr als 80% von ihnen berechnen das versicherte Gehalt inklusive der leistungsabhängigen Lohnbestandteile. Wobei es sein kann, dass Unternehmen den Bonus nur teilweise (z.B. 75% des Zielwertes) anrechnen.

Hintergrundinformationen zur Studie

Die Studie von Towers Watson untersuchte die Vorsorgepläne von 27 der 30 im Börsenindex SLI® (Swiss Leader Index) zusammengefassten Gesellschaften im Jahr 2015. Bereits 2009, 2011 und 2013 wurden die Pensionskassenleistungen der im SMI® resp. SLI® zusammengeführten Gesellschaften untersucht. Im Mittelpunkt der damaligen wie der neuen Analyse standen die Ausgestaltung der Vorsorgepläne der einzelnen Unternehmen sowie die daraus resultierenden Leistungen. Es wurden alle Vorsorgepläne der Firmen (Basis- und allfällige Zusatzpläne) für den Leistungsvergleich gesamthaft betrachtet, soweit sie Towers Watson zur Verfügung gestellt wurden.

Über Towers Watson

Towers Watson, eine der führenden Unternehmensberatungen weltweit, unterstützt ihre Kunden, den Unternehmenserfolg durch ein effektives HR-, Finanz- und Risikomanagement zu steigern. Mit rund 16.000 Mitarbeitern weltweit entwickelt das Unternehmen Lösungen in den Bereichen berufliche Altersvorsorge und Nebenleistungen, Personal- und Vergütungsmanagement sowie Risiko- und Finanzmanagement, einschliesslich der Beratung von Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen. In der Schweiz ist Towers Watson mit Büros in Zürich und Lausanne vertreten.